Wolf Vostell, Umgraben, 1974, Foto: Andreas Buttmann
Ausstellung Studienzentrum | 26.04.2008 VERLÄNGERT BIS 29.03.2009

Art on Air

Radiokunst im Wandel
Radiokunst – das sind Werke, die Künstlerinnen und Künstler speziell für das Radio entwickelten: Klang- oder Geräuschkompositionen, Hörspiele, Aktionen oder Konzerte, Sound Performances, Satelliten-Klangskulpturen, Soundscapes, Radiokunstinstallationen, vernetzte (Medien-) Projekte bis hin zur elektroakustischen oder digitalen Musik.
Orson Welles: War of the Worlds (Cover)
Familie Auer, Kunstradio / ORF Wien

Einen Überblick über all das vermittelt ab dem 27. April die Ausstellung "Art on Air" in der Weserburg. Vorgestellt werden neben radiophonen Werkzusammenhängen einzelner Künstlerinnen und Künstler vor allem drei bedeutende Sendereihen, die die Entstehung und Entwicklung der Radiokunst in Europa und Übersee entscheidend beeinflusst haben: 'pro musica nova' bei Radio Bremen, das 'Studio Akustische Kunst' beim WDR und das 'Kunstradio' des ORF. Ergänzend zur akustischen Präsentation der radiophonen Werke zeigt "Art on Air" Videos, Schallplatten, CDs, Kassetten, Projektionen, Partituren, Künstler­bücher und -zeitschriften sowie zahlreiche Dokumente: Fotos, Plakate, Programmhefte, Korrespondenz, Konzeptionszeichnungen und Einladungen.

John Cage, A House Full of Music, Überseemuseum Bremen, 1982

Radiokunst bewegt sich in einem künstlerisch interdisziplinären Zwischen­bereich der bildenden Kunst, der experimentellen Literatur und der Neuen Musik. Dementsprechend wird die Radiokunst in der Ausstellung in ihren visuellen, akustischen und dokumentarischen Kontexten dargestellt. So entsteht ein repräsentativer Einblick und Überblick vor dem Hintergrund der technischen Entwicklung und mit Bezügen zur aktuellen Medienkunst. Repräsentativ sind auch die vorgestellten Künstlerinnen und Künstler, die verschiedenen Generationen angehören und aus jeweils unterschiedlichen musikalischen, literarischen oder bildkünstlerischen Kontexten heraus arbeiten: Johannes Auer, die Künstlergruppe Ligna, Michaela Melian, Christina Kubisch, Felix Kubin und Carsten Nicolai sowie Franz Mon, Ferdinand Kriwet, Mauricio Kagel, Wolf Vostell, Carlfriedrich Claus und John Cage. Sie vermitteln durch ihr Werk eine Vorstellung von der 'Tradition' der Radiokunst in Deutschland. John Cage zum Beispiel gab nicht nur 1961 den Anstoß zur Entstehung der Sendereihe pro musica nova, sondern beteiligte sich auf vielfältige Art und Weise an Rundfunksendungen und komponierte Radiowerke wie Imaginary Landscape No. 4 aus dem Jahre 1951. Später schuf er fast alle seine Radiokunstwerke, insbesondere auch Hörspiele, in Deutschland. Seine bedeutendste Arbeit Roaratorio entstand 1979 beim WDR.

Eine ganz besondere Neuerung stellt das im Zuge der Ausstellung entstehende 'Radiokunst Archiv' dar: Erstmals werden hier annähernd alle Radiokunstwerke oder Radiosendungen der beteiligten Künstlerinnen und Künstler sowie bedeutende Radiokunst-Sendereihen im deutschsprachigen Raum zugänglich macht. Zu hören sind alle relevanten Formen von Radiosendungen im weitesten Umkreis dessen, was Künstler mit, im und für den Rundfunk gemacht haben. Ein großer Teil der Audio-Materialien wurde von den Künstlerinnen und Künstlern selbst zur Verfügung gestellt.Die Ausstellung zeigt deutlicht: Die Aktivitäten der Künstlerinnen und Künstler haben die technischen, institutionellen und traditionellen Vorgaben und Vorstellungen von Rundfunk gesprengt.

Eine Ausstellung des Studienzentrums für Künstlerpublikationen in Kooperation mit Radio Bremen und dem ORF Kunstradio Wien, gefördert von der Stiftung Kunstfonds.


Führungen

Noble Gäste
Sonntag 05.September, 11.30 Uhr 

Die Ästhetik der Gewalt
Donnerstag 09.September, 18.00 Uhr 

Olaf Metzel
Sonntag 12.September, 11.30 Uhr 

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Veranstaltungen

Thomas Hartmann 
Samstag 18.September, 18:30 Uhr
Unruhe-Bilder 1979-2010

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