Hassan Sheidaei, Mein Sohn, 2015 (Videostill)
Ausstellung | 4.03.2017 - 21.05.2017

24. Videokunst Förderpreis Bremen

Kenji Ouellet und Hassan Sheidaei / Farzia Fallah
Der Videokunst Förderpreis ist ein fester, über Jahre gewachsener Bestandteil der Bremer Kulturlandschaft. Seit 1992 setzt der Preis, vergeben vom Filmbüro Bremen, konsequent auf junge, avancierte Positionen, die abseits des Mainstreams spannende Projekte im Bereich der Videokunst verfolgen und das in ihrer ganzen Vielfalt – von linear erzählten, audio-visuellen Arbeiten bis hin zu raumgreifenden Installationen. Das Besondere: prämiert werden keine bereits existierenden Arbeiten, sondern vielversprechende Konzepte, die mit Hilfe des Preisgeldes realisiert werden und in Bremen ihre Premiere feiern. Die Weserburg präsentiert in diesem Jahr die Preisträger Kenji Ouellet und das Künstlerpaar Hassan Sheidaei/Farzia Fallah. Neben den beiden neuen, erstmals öffentlich zu sehenden Videoprojektionen erweitern die Künstler die Ausstellung um mehrere Arbeiten aus unterschiedlichen Phasen ihres Schaffens. In diesem Kontext wird die visuelle Kraft und erzählerische Qualität der beiden sehr unterschiedlichen Positionen in ihrer Breite augenfällig.
Kenji Ouellet, In Dog Years I'm Dead, 2017 (Videostill)
Kenji Ouellet, In Dog Years I'm Dead, 2017 (Videostill)

"My body is like breakfast, lunch, and dinner. I don't think about it, I just have it." – der Frankokanadier Kenji Ouellet widmet sich in seiner neuen Videoarbeit der Welt des Balletts. Mit "In dog Years I'm dead" (2017) begleitet er junge Tänzerinnen, die ihre anstrengenden Proben und Trainingseinheiten eindrücklich kommentieren. Ihre Gedanken sind bekannten Persönlichkeiten entliehen – von Kim Kardashian und Sasha Grey über Toni Bentley, Samuel Beckett bis hin zu internationalen Choreografen wie Mikhail Baryschnikov und George Balanchine. Die denkwürdigen, bisweilen philosophisch tiefgründigen Einlassungen, durchsetzt von humorvollen Statements und auch banal anmutenden Weisheiten, entwerfen ein ebenso faszinierendes wie widersprüchliches Porträt. Selbstdisziplin, künstlerische Hochleistung, unerbittlicher Leistungsdruck und alltägliche Qualen. Zwischen Ideal und Wirklichkeit, Kunst und Tanz geht es um etwas Wesentliches: um Identität, Körper und Leidenschaft.

Hassan Sheidaei / Farzia Fallah, Das Vergessen, 2017 (Videostill)

Hassan Sheidaei und Farzia Fallah, beide in Teheran geboren,  leben und arbeiten seit vielen Jahren in Bremen, wo sie zusammen, aber auch unabhängig voneinander Arbeiten und Projekte entwickeln. Mit „Das Vergessen“ (2017) schaffen sie einen besonders eindrücklichen Erfahrungsraum. Die bewusst reduzierten Videobilder, die nur wenig andeuten, sich mitunter im Dunkeln verlieren, treffen auf eine von Farzia Fallah speziell komponierte, polyfone Klangebene. Ausgangspunkt für die Arbeit war eine Meldung in den Nachrichten. Mehrere Männer, Frauen und Kinder wurden in einem LKW am Rande einer Autobahn aufgefunden – zurückgelassen von ihren Schleppern, auf unmenschliche Weise erstickt. Das Schicksal der Flüchtlinge wird von den Künstlern nicht in konkreten Bildern gefasst. Das Geschehen wird auch nicht kommentiert oder zu einem künstlerischen Appell verkürzt. „Das Vergessen“ ermöglicht stattdessen durch das spannungsreiche Zusammenwirken von Musik- und Bildebene eine intensivierte Wahrnehmung, in dem menschliches Leid, Tragödien und kulturelle Konflikte, Erinnern und Vergessen gleichermaßen aufscheinen.

Mit Unterstützung vom Senator für Kultur Bremen und der Bremischen Landesmedienanstalt. In Kooperation mit dem Künstlerinnenverband Bremen GEDOK. 

Logos

Jury

Der dreiköpfigen unabhängigen Fachjury gehörten Frieder Nake (Informatiker und Künstler, Bremen), Ulrike Pfeiffer (Filmemacherin und Fotografin, Hamburg) und Ivo Wessel (Informatiker und Sammler, Berlin) an. Nach ausführlicher zweitägiger Bewertung und Diskussion der vorgeschlagenen 130 eingereichten Projekte wurde einstimmig entschieden: der erste Preis (dotiert mit 5.000 Euro) wurde Kenji Ouellet zugesprochen, der zweite Preis (dotiert mit 1.500 Euro) Hassan Sheidaei und Farzia Fallah. Eine Liste aller bisherigen Preisträger finden Sie hier >>

 

TANZ Bremen

Die Ausstellung zum Videokunst Förderpreis Bremen ist mit der neuen Videoarbeit "In dog years I'm dead" von Kenji Ouellet auch Bestandteil vom Festival TANZ Bremen (17 - 24. März 2017). Der Eintritt in die Ausstellung ist für Festivalbesucher frei. Weitere Informationen unter www.tanz-bremen.com

 

Performance von Kenji Quellet
Le Sacre du Printemps: a Haptic Rite

  • Dienstag, 21. März 2016, 17.30 – 22.30 Uhr in der Schwankhalle, Alter Saal
  • Mittwoch, 22. März 2016, 17.30 – 22.30 Uhr in der Schwankhalle, Alter Saal

„Eine physische Erfahrung - originell und mitreißend!“ Reg'Arts

 

Die Augen schließen sich, werden verbunden, kommen zur Ruhe. Und dann beginnt eine zwanzigminütige Reise durch den berühmten „Sacre du Printemps“- erlebt mit dem gesamten Körper. Es sind sehr unterschiedliche aktivierende Berührungen, die die Tänzer dem liegenden Publikum in dem Tastritual haptic rite zukommen lassen. Im Kontext der Partitur Strawinskys sind es bald musikalische Bedeutungen, die durch die eigenen Adern fließen. Die Muskeln verstehen das Werk kinästhetisch – mit allen Bewegungssinnen. Und das, ohne etwas „zu tun“.

Kenji Ouellet wurde im kanadischen Quebec geboren und lebt in Berlin, wo er im Grenzbereich zwischen Choreografie, Performance und Videokunst arbeitet. Der in New York ausgebildete klassische Pianist studierte Medienkunst in Wien und Berlin, wo er 2009 Meisterschüler wurde.

Jede Session dauert ca. 25 Minuten, in denen die Besucherinnen und Besucher bequem auf der Matte liegen. Es können maximal 2 Personen pro Session teilnehmen. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich unter ticket(at)schwankhalle.de oder unter Telefon 0421 520 80 70.

Das Gastspiel findet in Kooperation mit der Schwankhalle, der Weserburg und TANZ Bremen statt.

Ort: Schwankhalle, Alter Saal
Preisgruppe 5
Dauer: ca. 25 Minuten pro Session
Anmeldung erforderlich

Choreografie: Kenji Ouellet
Performer: Kenji Ouellet, Anna-Luella Zahner
www.kenjiouellet.net
Produktion: HAU Hebbel am Ufer.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
Das Gastspiel ist eine Kooperation der Schwankhalle, der Weserburg und TANZ Bremen.
Im Rahmen des Kanada Schwerpunktes 2017.
Mit Unterstützung der Botschaft von Kanada und der Vertretung der
Regierung von Québec.
 

TANZ Bremen Logo

Eröffnung

Freitag, 3. März 2017, 19 Uhr
in Anwesenheit der Künstler

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Junge Sammlungen 03

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Montag geschlossen
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