Mikhael Subotzky and Patrick Waterhouse, Lift Portrait 1, Ponte City, Johannesburg, 2008, Sammlung von Kelterborn, courtesy Goodman Gallery
Ausstellung | 10.10.2014 VERLÄNGERT BIS 22.03.2015

Junge Sammlungen 02

Komm und sieh - Sammlung von Kelterborn
Die zweite Ausstellung der Reihe „Junge Sammlungen“ präsentiert Werke aus der Frankfurter Privatsammlung von Kelterborn. Schwerpunkt dieser außergewöhnlichen Sammlung sind gesellschaftsbezogene, philosophisch hintergründige und politisch brisante Werke international bekannter Künstlerinnen und Künstler. Das Sammlerpaar von Kelterborn ist davon überzeugt, dass Kunst uns in die Lage versetzt, „Gegenwart“ in ihrer Komplexität, in ihren Widersprüchen und Grausamkeiten, aber auch in ihrem durchaus positiven Potential begreifbar, ja auch über die Sinne und den Verstand erfahrbar zu machen. Ihr besonderes Interesse gilt Foto- und Videoarbeiten. Konzeptkunst und mit Sprache und Texten arbeitende Neonskulpturen finden sich ebenfalls in der unverwechselbaren Sammlung. In der Weserburg wird sie zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Ausstellungstitel „Komm und sieh“ ist nicht nur eine freundliche Einladung an die Besucher der Weserburg; er bezieht sich ursprünglich auf den sowjetischen Antikriegsfilm des Regisseurs Elem Klimow aus dem Jahre 1985. Der Film, der bereits in Jugendjahren einen nachhaltigen Eindruck beim Sammler Mario von Kelterborn hinterlassen hat, zeigt eine traumatisierte Gesellschaft im Angesicht der Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung reagieren auf ähnlich überzeugende, bisweilen verstörende Weise auf die gesellschaftlichen Konflikte unserer Zeit.

Das Künstlerkollektiv Claire Fontaine leistet mit der Neonarbeit „Sell your debt“ (Verkaufe deine Schulden) einen hintersinnigen Kommentar zur Finanzwelt, die sich nur noch einigen wenigen Experten erschließt, gleichzeitig aber Auswirkungen auf uns alle hat. Taryn Simon hat wiederum die internationale Politik im Fokus. In ihrer großformatigen Fotoarbeit „Avatar“ präsentiert sie einen Mann, der unter Zuhilfenahme von Fotos unterschiedlichster Politiker wie John McCain oder Fidel Castro digital erschaffen wurde. Fragen nach Macht, Willkür und Opportunismus drängen sich unvermittelt auf. Der Homo-Politicus wird zu einer nicht fassbaren, überaus fragwürdigen Gestalt.

Der Ire Richard Mosse gibt mit seiner mehrteiligen Videoinstallation „The Enclave“ beklemmende Einblicke in den östlichen Kongo. Rebellengruppen und Warlords bestimmen in dem Land den Alltag der Menschen. Mosse nutzt einen speziellen Infrarotfilm, der ursprünglich für das Militär entwickelt wurde, um Tarnungen aufzudecken. Die Grüntöne der Landschaft werden in ein psychedelisches Rot verwandelt. Die Arbeit, die bereits auf der Biennale in Venedig zu sehen war, ermöglicht einen erschreckend faszinierenden Blick auf einen brutalen, von der Weltöffentlichkeit wenig beachteten Konflikt.

Kunst, wie sie in der Sammlung von Kelterborn zusammenfindet, bietet keine wohlfeilen Lösungen. Ihr gelingt es aber mit ästhetischen Mitteln die komplexen Widersprüche, zugleich auch die potentiellen Freiräume und Chancen menschlichen Zusammenlebens sichtbar zu machen.

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler: Maria José Arjona, Stuart Bird, Nathalie Djurberg, Teboho Edkins, Claire Fontaine, Jochen Gerz, Gary Hill, Clemens Krauss, Thomas Locher, Bjørn Melhus, Richard Mosse, Tatsumi Orimoto, Anke Röhrscheid, Taryn Simon, Mikhael Subotzky, Mariana Vassileva, Corinne Wasmuht, Hu Weiyi, Tobias Zielony 

Mit freundlicher Unterstützung der Waldemar Koch Stiftung und der Museumsfreunde Weserburg. 

Die Realisierung der raumgreifenden Installation von Richard Mosse wird ermöglicht mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Factoring Bank.

Das Kommunalkino CITY 46 zeigt als Kooperationspartner den Film "Komm und sieh" von Elem Klimow: Donnerstag, 6. November und Sonntag, 9. November um 20.30 Uhr sowie Samstag, 8. November um 18 Uhr. www.city46.de

Neues Ausstellungsformat

 

Mit der Reihe „Junge Sammlungen“ beginnt die  Weserburg  2014 ein neues Ausstellungsformat. Zweimal jährlich werden Kunstwerke aus einer jungen, bislang noch nicht in dieser Form an die Öffentlichkeit getretenen Privatsammlung gezeigt. Das Museum ermöglicht seinen Besuchern die Teilhabe an ganz aktuellen Tendenzen internationaler Kunst und ihrem komplexen Gegenwartsbezug. Für die Weserburg garantieren diese im Entstehen begriffenen Sammlungen eine spannende Einsicht in das, was eine jüngere Generation bewegt. Zugleich gibt sie sich als „Sammlermuseum“ ein neues Profil für die eigene Zukunft. Den Auftakt machte im März 2014 die Hamburger Sammlung Dominic und Cordula Sohst-Brennenstuhl mit der Ausstellung „Junge Sammlungen 01. Nullpunkt aller Orte“.


Gesprächszeit "2 nach 1"

Interview mit dem Kunstsammler Mario von Kelterborn im nordwestradio am 18.10.2014

 

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