
In der Folge entstanden ganz neue Konzepte, die Pollocks Position ergänzten, grundlegend überdachten oder revidierten. Morris Louis, Sam Francis und Helen Frankenthaler thematisierten auf höchst verschiedene Weisen die physikalischen Grundbedingungen des Farbflusses. Lynda Benglis setzte dem „männlichen“ Gestus des Pollockschen Drippings eine eher voluminöse, „weibliche“ Variante aus farbigem Polyurethanschaum entgegen. Andy Warhol persiflierte in seinen „Oxidation Paintings“ Jackson Pollocks Bodenmalerei. Und der Amerikaner Larry Poons ließ Farbe senkrecht die Leinwände herablaufen, um sich als Autor scheinbar aus dem Produktionsprozess zu verabschieden. Dieses breite Spektrum an Farbkonzepten greifen auch Künstlerinnen und Künstler des 21. Jahrhunderts auf. Was sie interessiert, sind neue, auf den ersten Blick eher untersuchende, beobachtende, unpathetische Vorgehensweisen, die den Fluss der Farbe bisweilen in bemerkenswerten Aktionen an den Alltag rückbinden. Sie arbeiten zum Teil mit Videoaufzeichnungen und Performances. Tony Tasset spritzt Schokoladensirup in fast pollockscher Momentaufnahme in die Luft, Patty Chang setzt sich in ihrem „Fan Dance“ körperlich der in den Raum geschleuderten Farbe aus.
„Farbe im Fluss“ stellt prinzipiell zwei künstlerische Ansätze einander gegenüber: Farbe als malerisches Ausdrucksmittel im Sinne der Moderne einerseits und der eher konzeptuelle, experimentelle, ja antimalerische Umgang mit Farbe vor allem bei jüngeren Künstlerinnen und Künstlern andererseits. Doch kommt es trotz oder gerade wegen dieser Unterschiede immer wieder zu Bezugnahmen und Dialogen untereinander, zu regelrechten Hommagen und Reverenzen, allerdings auch zu Dekonstruktionen, Ironisierungen und Infragestellungen der Älteren durch die Jüngeren. Auffallend dabei ist, dass ähnliche Phänomene höchst unterschiedliche Bedeutungen erhalten können. Am Ende steht eine energiegeladene und äußerst spannende Gegenüberstellung unterschiedlicher künstlerischer Positionen, die alle eines gemeinsam haben: Den bewussten Umgang mit Farbe, welche sich als Material, Medium und Bedeutungsträger vor allem selbst zum Thema macht.
Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog im Kerber Verlag mit einführenden Essays von Peter Friese und Raimar Stange sowie Werkanalysen von über fünfzig Werken von Guido Boulboullé.
Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:
Ai Weiwei • William Anastasi • Arman • John M. Armleder • John Baldessari • Willi Baumeister • Lynda Benglis • Patty Chang • Ron Davis • Brad Downey • Max Ernst • Ceal Floyer • Sam Francis • Helen Frankenthaler • Bernard Frize • Christian Frosch • Tom Früchtl • Katharina Grosse • K.H. Hödicke • Kristof Kintera • Kitty Kraus • Franz Krause • Gary Kuehn • Morris Louis • Joseph Marioni • Bernhard Martin • Paul McCarthy • Andreas Paeslack • Roxy Paine • Sigmar Polke • Jackson Pollock • Larry Poons • Gerhard Richter • Dieter Roth • Thomas Ruff • Karin Sander • Sarkis • Kazuo Shiraga • Robert Smithson • Oskar Schlemmer • Rainer Splitt • Christian Stock • Tony Tasset • André Thomkins • Mark Tobey • Rosemarie Trockel • Gavin Turk • Nicolás Uriburu • Andy Warhol • Lawrence Weiner • VA Wölfl • Christine Würmell • Peter Zimmermann • Larry Zox
Karten für „Farbe im Fluss“ gibt es an der Museumskasse sowie im Vorverkauf bei Nordwest Ticket, im Internet auf www.nordwest-ticket.de, sowie telefonisch unter (0421) 36 36 36.
Mit großzügiger Unterstützung von

Die Arbeit von K.H. Hödicke wurde ermöglicht durch
Sonderführungen - Farbe im Fluss
Sonntags, 11:30 und 15 Uhr
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
EUR 3 zzgl. Eintritt
Mediaguide - Farbe im Fluss
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