Banksy: Bomb hugger, 2002, Sammlung Reinking
Ausstellung | 16.05.2009 VERLÄNGERT BIS 4.10.2009

Urban Art

Werke aus der Sammlung Reinking
Urban Art ist allgegenwärtig. Ungefragt hinterlässt sie ihre Spuren und Zeichen im Stadtraum. Mit Stickern, Postern, großflächigen Wandgemälden und Schablonengraffiti erobert sie sich den öffentlichen Raum. Ihre Galerie sind die Straßen der Welt. Was mit Graffiti in den amerikanischen Großstädten der Ostküste vor nunmehr 40 Jahren begann, hat sich mittlerweile entscheidend weiterentwickelt. Auch wenn die meisten Aktionen immer noch anonym und illegal entstehen, handelt es sich nicht mehr ausschließlich um ein Phänomen der Jugendkultur. Viele Akteure haben sich von der Bildsprache des Graffiti-Writing emanzipiert und neue Ausdrucksformen erprobt. Mit subtilen und humorvollen, bisweilen auch offensiven Eingriffen in das Stadtbild versuchen sie eingeübte Sehgewohnheiten aufzubrechen. Ihnen geht es dabei in aller Regel nicht um die Beschädigung urbaner Infrastruktur, sondern um einen Dialog mit der Öffentlichkeit.
Brad Downey: Whats-Up or The Burden of Children 2006; Ort: Brooklyn, NY, USA; Dauer: 2,5 Monate
Brad Downey: "Whats-Up" or "The Burden of Children" 2006; Ort: Brooklyn, NY, USA; Dauer: 2,5 Monate

Die Spielarten der Urban Art sind vielfältig. Temporäre Aktionen, ungewöhnliche Objekte und Skulpturen, Schriftzüge und Characters werden als Stolperfallen in den visuellen Fluss der Stadt eingewoben. Die Möglichkeit, dass viele Passanten diese Eingriffe gar nicht wahrnehmen, an ihnen vorbeigehen und sie übersehen, ist dabei bewusst einkalkuliert. Sie bilden damit ein subversives Gegengewicht zu der steten Präsenz von Werbung, die mit ihren blinkenden Bildern und verführerischen Kaufoptionen, den Alltag dominiert. Nicht nur in dieser Hinsicht ist Urban Art der Ausdruck einer kritischen Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen, kulturellen und ökonomischen Dimensionen von Stadt, die sich im Zeitalter der Globalisierung rasant und nachhaltig verändert.

Tilt: Kassi, Sydney, 2004, Sammlung Reinking

In den letzten Jahren erlebte Urban Art einen regelrechten Hype. Zahlreiche Galerien und Museen organisierten weltweit Ausstellungen und die Werke der bekanntesten Vertreter erzielten auf Auktionen Höchstpreise. Was von den einen als Kommerzialisierung, Verlust an Authentizität und Verrat an den ursprünglichen Interessen angeklagt wird, begreifen viele Künstlerinnen und Künstler als eine neue Chance. Indem sie ihre Themen und Methoden in den geschützten Raum des Museums überführen, entwickeln sie ganz neue überraschende Ansätze. Aber was ist das für eine Kunst, die ihr angestammtes Terrain verlässt? Erfordern die Werke nicht die Stadt als Resonanzraum, als unmittelbaren Widerpart? Und ist eines der wesentlichen Kennzeichen von Urban Art nicht ihre Vergänglichkeit, ihre Spontaneität? Die Weserburg widmet sich diesen Fragen in einer groß angelegten Ausstellung, in deren Zentrum Werke der Sammlung Reinking stehen.

DTagno: Elastischer Kontext aka Offenlegung des Arsenals, 2009 (Detail)
Obey: ohne Titel, 2004-2006 (Detail), Sammlung Reinking

Der Hamburger Sammler Rik Reinking ist ein Überzeugungstäter. Bereits seit vielen Jahren begleitet er mit großer Leidenschaft und Intensität zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der Szene. In seiner Sammlung sind heute einige der einflussreichsten Akteure mit repräsentativen Werken vertreten. Darunter finden sich so bekannte Namen wie Banksy (UK), DAIM (Deutschland), Brad Downey (USA), Os Gêmeos (Brasilien), Shepard Fairey (USA) und Zevs (Frankreich). Die Ausstellung wird um einige künstlerische Positionen und auch neue Werke ergänzt, die zum Teil speziell für Bremen konzipiert worden sind. Darüber hinaus sind künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum der Hansestadt geplant. Somit bietet die Ausstellung nicht nur einen Einblick in eine noch junge, ungewöhnliche Sammlung, sie ist zugleich Austragungsort der aktuellsten Entwicklungen einer unangepassten, sich im steten Wandel befindlichen Kunstform.

Ein engagiertes Rahmenprogramm mit Workshops, Stadtspaziergängen, Filmabenden und Diskussionen wird die Ausstellung ergänzen und so eine lebendige wie auch kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Urban Art anregen. Zudem erscheint ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen Abbildungen und lesenswerten Texten. 

Mark Jenkins: Embed #1 - Sitter, 2006, Sammlung Reinking

Die Ausstellungskonzeption wurde erarbeitet von Ingo Clauß, Kurator der Weserburg, Adrian Nabi, der als Initiator und Kurator der Berliner Backjumps Ausstellungen zu den weltweit besten Kennern der Szene gehört und dem Sammler Rik Reinking, der dem Museum bereits seit mehreren Jahren eng verbunden ist. Parallel zur Ausstellung realisiert der Kunstraum Kreuzberg/Bethanien auf Einladung des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentages im Bremer Stadtraum das Projekt „Sign Seeing“. Neben einem hochinteressanten Veranstaltungsprogramm zur Urban Art wird der in Kopenhagen lebende Künstler Victor Ash alle vier Seiten eines Hochbunkers gestalten und damit ein weithin sichtbares Zeichen für eine lebhafte Auseinandersetzung mit der Kunst der Straße setzen.  

Eine Zusammenarbeit mit Reinking Projekte und dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien. In Kooperation mit dem 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag, 20. bis 24. Mai 2009 in Bremen. Besonderer Dank gilt den Museumsfreunden der Weserburg.  

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:
Akim, Ash, Herbert Baglione, Banksy, Blu, Boxi, Bronco, Dave the Chimp, Brad Downey, Ben Eine, Shepard Fairey, Mark Jenkins, Kaws, Daniel Man, Miss Van, Mode 2, Os Gêmeos, Mirko Reisser [DAIM], Space Invader, Swoon, DTagno, Tilt, Vitché, Heiko Zahlmann, Zevs, Zezão

 

Die Ausstellung im NDR Kulturjournal:
http://www1.ndr.de/mediathek/index.html?media=kulturjournal466

 

Der Eintritt für Kirchentagsbesucher ist kostenlos. Weitere Informationen zum 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag: www.kirchentag.de, www.backjumps.info

Im Rahmen des 32. Deutsche Evangelischen Kirchentages findet zwischen dem 21. und 24. Mai 2009 ein umfangreiches Workshopprogramm  in Bremen statt. Nähere Informationen dazu finden Sie im Flyer des Projektes Sign Seeing, der hier zum Download bereit steht:

Sign_Seeing_Flyer.pdf


Führungen

In Nachbars Garten … Geschichten von Achim und andere Merkwürdigkeiten | Zur Ausstellung Ich brauche wenig Wirklichkeit der GAK
Donnerstag 25.September, 18.00 Uhr 

Existenzielle Bildwelten | Sammlung Reinking
Sonntag 28.September, 15.00 Uhr 

Körperbilder. Existenzielle Bildwelten | Sammlung Reinking
Donnerstag 02.Oktober, 18.00 Uhr 

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Veranstaltungen

Kindermuseum - Skulptour 
Sonntag 28.September, 12:00 Uhr
Die Welt der Figuren, Objekte, Installationen. Eine neue Mitmachausstellung.

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Junge Sammlungen 02 
Donnerstag 09.Oktober, 19:00 Uhr
Komm und sieh - Sammlung von Kelterborn

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Fotokunst / Künstlerpublikationen 
Freitag 17.Oktober, 19:00 Uhr
Im Rahmen von FotoKunstBremen

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