Jean-François Guitons künstlerischer Umgang mit Video und den damit verbundenen Technologien unterscheidet sich in vieler Hinsicht wohltuend von vielem, was „Medienkünstler“ produzieren und inszenieren. Seine aus wenigen Elementen bestehenden aber dennoch raumfüllenden Arbeiten könnten auf den ersten Blick als minimalistisch oder konzeptuell bezeichnet werden, wäre in ihnen nicht auch immer eine narrative, literarische, ja bisweilen mythische Ebene auszumachen, ein „Gehalt“ also, der sich in besonderer Weise mit der hier zum Einsatz kommenden Technik ergänzt und überlagert. Einerseits wirken diese Arbeiten als suggestive Bilder und Klänge unmittelbar auf unser ständig zu Verknüpfungen und Analogiebildungen bereites Vorstellungsvermögen, ja auf unsere körperlich-räumliche Wahrnehmung insgesamt. Andererseits wird gerade durch die Evidenz und Transparenz ihrer Anwesenheit im Raum, durch die klare Anordnung ihrer technischen Elemente, die Mittelbarkeit und Inszeniertheit des ganzen Unternehmens bewusst. Guitons Arbeiten sind narrativ, literarisch, mythisch und selbstreferentiell zugleich, sie erzählen uns Geschichten, berichten aber gleichzeitig von der Tatsache des Erzählens im Rahmen ihrer medialen Vermittlung, und verweisen damit auch immer auf die Medien, deren Hardware hier auch im skulpturalen Sinne zum Einsatz gelangt und so zum Thema der Arbeit werden kann.
Die Tatsache, dass in seinen Arbeiten immer wieder uralte Topoi, Mythen, archaische Bilder, Symbole, Angst-, Lust- und Todesvisionen auftauchen, zeugt nicht etwa davon, dass er hier Versuche unternähme, vergangene, längst bedeutungslos gewordene oder vergessene mysteriöse Zeichen auszugraben und in anachronistischer Form zu reaktivieren, sondern eher das Gegenteil ist der Fall: Diese Zeichen und Bilder sind auch im Medienzeitalter gegenwärtig. Viele von ihnen gehören zu einem seit Jahrtausenden tradierten, sich dabei permanent wandelnden Fundus, welcher auch am Ende des 20. Jahrhunderts noch immer Bestand hat. So wie Guiton sie uns vorstellt, werden sie uns in ihrem Wesen als wandelbare, uminterpretierbare und für verschiedene Zwecke einsetzbare bewusst. Mythos funktioniert auch im Medienzeitalter wie eine „stille Post“: Bilder und Geschichten reichern sich mit unterwegs Aufgenommenem an, ändern sich dabei und sind bisweilen kaum noch wieder zu erkennen. Doch geht es Guiton nicht darum, im Rahmen einer sentimentalen Trauerarbeit medienbedingte Verluste kultureller Substanz zu beklagen, sondern es geht ihm um den souveränen gegenwärtigen Umgang mit dem noch immer vorhandenen Reichtum an Bildern, Vorstellungen und ihren sich gegenseitig überlagernden Bedeutungen. Das Spezifische einer solchen von ihm angestrebten Kunsterfahrung aber ist nicht durch Diskurse ersetzbar, ja es ist in der Lage, sich einer sprachlichen Erfassung erfolgreich zu widersetzen, es siedelt sich dort an, wo Sprache nicht mehr oder noch nicht zu greifen vermag. Und Jean-François Guiton ist davon überzeugt, dass Video ein geeignetes Mittel bzw. „Medium“ dafür ist.
In der Ausstellung sind 15 Werke des Bremer Künstlers aus den Jahren 1982 bis 2008 zu sehen. Darunter finden sich raumgreifende Videoinstallationen, mehrteilige Monitorarbeiten wie auch großformatige Videoprojektionen, die zu einem abwechslungsreichen Gang durch die 2. Etage der Weserburg einladen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Führungen in französischer Sprache können jederzeit vereinbart werden. Anmeldung und Informationen unter 0049-(0)421-59839-28.
Trailer zur Ausstellung: www.guiton.de/Weserburg.html
Weitere Informationen zum Kunstpreis unter www.kuratorium-kunststoff.de
Parallel zur großen Werkschau findet eine weitere Ausstellung im Institut français de Brême statt. Sie wird eine Woche später am 19. September 2008 um 18 Uhr eröffnet und erweitert die Hauptausstellung in der Weserburg um mehrere Werke. Gezeigt werden neben Fotografien auch die beiden Videoinstallationen „Vol du regard“ und „Bodenplastik“, von denen letztere unmittelbar auf den Ausstellungsraum des Instituts Bezug nimmt.
Jean-François Guiton
Rythmes
19. September - 11. Dezember 2008
Ausstellungseröffnung: Freitag, den 19. September 2008, 18.00 Uhr
Institut français de Brême
Contrescarpe 19, 28203 Bremen
Weitere Informationen unter 0421-33944-0 oder www.ifbremen.de

Führungen
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Sonntag 05.September, 11.30 Uhr
Die Ästhetik der Gewalt
Donnerstag 09.September, 18.00 Uhr
Olaf Metzel
Sonntag 12.September, 11.30 Uhr
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